Bezirksverband Schwaben fordert mehr Impfstoff vom Freistaat Bayern um Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern

30.4.2021 Lindau (Bodensee). Im Rahmen einer Arbeitstagung hat sich der Bezirksverband Schwaben im Bayerischen Landkreistag gemeinsam mit den Ärztlichen Koordinatoren des Regierungsbezirks über die aktuelle Situation in den Krankenhäusern ausgetauscht. Laut den Aussagen der Ärzte konnten teilweise Intensivpatienten nur noch durch Verlegungen in andere Regierungsbezirke versorgt werden.

„Aufgrund der hohen Intensivbettenauslastung und den bereits seit Wochen vergleichsweise hohen Inzidenzzahlen schwabenweit, fordern wir Landkreisvertreter vom Freistaat Bayern mehr Impfstoff, um eine Eskalation der Situation in den schwäbischen Krankenhäusern zu verhindern“, sagte der Vorsitzende des Bezirksverband Schwaben, Landrat Elmar Stegmann. Zudem war auch die Impfstoffverteilung an die Impfzentren und Arztpraxen ein Thema.

Der ärztliche Koordinator des Regierungsbezirks Schwaben, Dr. Hubert Mayer gab zu Beginn der virtuellen Sitzung einen Überblick über die allgemeine Coronalage in Schwaben. Anhand einer Grafik skizzierte er, dass der Regierungsbezirk Schwaben im Vergleich zu den anderen Bezirken in Bayern sehr hohe Inzidenzzahlen hat und dies bereits über mehrere Wochen hinweg. Mit einer 7-Tages-Inzidenz von 197,53 liegt Schwaben hinter Niederbayern mit einer Inzidenz von 213,64 auf Platz 2 (Stand 28. April 2021).

Ein weiteres Schaubild gab Aufschluss darüber, wie sich die Verteilung der Inzidenzen nach Alter im Laufe der Zeit verändert hat. Waren in der ersten und zweiten Corona-Welle hauptsächlich über 80-jährige Menschen von Corona-Infektionen betroffen so hat sich dieses Bild von der zweiten in die dritte Welle drastisch verändert – aktuell sind besonders die 14- bis 19-Jährigen betroffen. Die derzeitig auffallend geringeren Corona-Infektionen der über 80-Jährigen gegenüber den letzten beiden Infektionswellen führte Dr. Hubert Mayer auf die bereits erfolgten Impfungen dieser Gruppe zurück, die nun bereits ihre Wirkung zeigten.

Dr. Hubert Mayer erklärte den Landkreisvertretern zudem wie sich die Intensivbettenauslastung an den Krankenhäusern aktuell darstellt. In den drei Rettungsdienstbereichen Allgäu, Donau-Iller und Augsburg, die zum Regierungsbezirk Schwaben gehören, seien gerade die Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit stark ausgelastet – insbesondere das Allgäu sei in den vergangenen Wochen an seine Grenzen gekommen. Dies bestätigten auch die ärztlichen Koordinatoren der einzelnen Rettungsdienstbereiche, die die Zahlen für ihren jeweiligen Bereich noch genauer aufschlüsselten. Um eine Versorgung der Patienten trotz dieser angespannten Situation aufrechterhalten zu können, seien schwabenweit immer wieder Patienten in andere Regierungsbezirke bzw. Bundesländer verlegt worden.

Über diese Ausführungen hinaus, bereitet den Landkreisvertretern auch die aktuellen Entwicklungen in Vorarlberg Sorge. „Trotz immens steigender Zahlen hält die Vorarlberger Landesregierung an weiteren Lockerungen fest. Ich befürchte, dass dies durch die engen Verflechtungen der angrenzenden Landkreise zu stark steigenden Zahlen und damit auch unweigerlich zur erhöhten Auslastung der Intensivbetten beitragen könnte“, sagte Landrat Elmar Stegmann.

Um eine Abschwächung der derzeitigen Lage zu erreichen, werde mehr Impfstoff benötigt. Deshalb haben sich die schwäbischen Landrätinnen und Landräte mit einem Brief an den Staatsminister, Klaus Holetschek gewandt.

„Unser Ziel muss sein, die Kurve im Regierungsbezirk Schwaben abzuflachen, um einen Kollaps der Intensivversorgung abzuwenden. Im Landkreis Tirschenreuth konnte gezeigt werden, dass eine höhere Versorgung mit Impfstoff die Inzidenzzahlen deutlich senkt. Wir, die schwäbischen Landrätinnen und Landräte, bitten daher die Bayerische Staatsregierung, in den nächsten Wochen den Regierungsbezirk Schwaben mit Impfstoff-Sonderlieferungen zu bedenken. Wir sind der Ansicht, dass dies die einzige Möglichkeit ist, eine Eskalation der Situation in den schwäbischen Krankenhäusern zu verhindern“, heißt es in dem Schreiben an den Staatsminister.

Zudem beschäftigte die Landrätinnen und Landräte auch die Impfstoffverteilung an die Arztpraxen und Impfzentren. Der Landrat von Dillingen an der Donau, Leo Schrell, hatte sich bereits zu Beginn der Woche mit einer Pressemitteilung dazu geäußert, dass in den Impfzentren in seinem Landkreis viel mehr geimpft werden könnte. Auch die anderen Landkreisvertreter konnten dem zustimmen und appellieren deshalb gemeinsam an die Bayerische Staatsregierung die Realität in den Arztpraxen zu berücksichtigen und die Impfstoffverteilung flexibler zu gestalten.

„Die Ankündigung des Ministerpräsidenten bei der Pressekonferenz am vergangenen Dienstag den Impfstoff vorrangig an die niedergelassenen Ärzte zu vergeben und die bisherige Regelung, wonach die Impfzentren eine fixe Menge Impfstoff erhalten und alles darüber hinaus an die Hausärzte geht, aufgehoben wird, geht unserer Ansicht nach in die völlig falsche Richtung. Hausärzte sind ein wichtiger Bestandteil der Impfkampagne, allerdings sollten diese nicht die Hauptlast der Impfungen zusätzlich zu ihrem Alltagsgeschäft tragen müssen. Im Moment ist es von großer Bedeutung schnell mit den Impfungen voranzukommen und dies ist unserer Ansicht nach nur möglich, wenn die Impfstoffe anhand der Kapazitätsmöglichkeiten der Impfzentren und Arztpraxen bemessen und verteilt werden“, erklärte der Vorsitzende und weiter

„Impfungen gehören nicht in Supermärkte, sondern in die Arztpraxen und in die Impfzentren, die für viel Geld extra zu diesem Zweck eingerichtet wurden und aktuell aufgrund der nach wie vor knapp bemessenen Impfstofflieferungen mit angezogener Handbremse arbeiten müssen.“

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