Empfang des ORF in den Grenzregionen: “Eine Verschlüsselung widerspricht dem Gedanken einer gemeinsamen Bodenseeregion.”

18.2.2015. Lindau (Bodensee). Laut Medienberichten soll ab 2017 das österreichische Fernsehen in den Grenzgebieten von Deutschland nicht mehr empfangen werden können.

Der Lindauer Landrat Elmar Stegmann bedauert dies, da eine intensive grenzüberschreitende Zusammenarbeit auch einen offenen Informationsaustausch vorrausetzt. Er hat sich deshalb mit dem Landesdirektor des ORF Vorarlberg Markus Klement ausgetauscht, der die Besorgnis Stegmanns teilt.

Auch an verschiedene grenzüberschreitende Gremien hat sich der Landrat gewandt mit der Bitte, dieses Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung zu nehmen, beispielsweise über die bayerische Staatsministerin Dr. Beate Merk an die Internationale Bodensee Konferenz. Auf sein Anregen hin wird sich nun auch die Euregio Via salina, in der die Allgäuer Landkreise sowie die Tiroler und Vorarlberger Nachbarregionen vertreten sind, des Themas annehmen. „Denn es betrifft ja nicht nur die Bodenseeregion, sondern auch alle anderen Grenzgebiete in Bayern.“

Noch im August letzten Jahres haben die fünf Sender rund um den Bodensee, der Südwestrund­funk, der Bayerische Rundfunk, der Österreichische Rundfunk, der Schweizer Rundfunk und Fernsehen sowie Radio Liechtenstein eine große gemeinsame Programmaktion durchgeführt: „4 in einem Boot“. Eine Woche lang wurde hier gemeinsam vom Schiff MS Sonnenkönigin aus den vier Anrainerstaaten berichtet. Es war eine Aktion, die das grenzenlose Lebens­gefühl der Region widergespiegelt hat und die wegen der positiven Resonanz in diesem Jahr wiederholt werden soll.

Aufgrund der räumlichen Nähe gibt es für die Menschen in der Region auch in den Nachbar­ländern viele Bezugspunkte: sei es beruflich, kulturell, sportlich und vieles mehr. Das Bedürfnis der Menschen, auch über Aktuelles aus den Nachbarstaaten informiert zu werden, ist groß. Landrat Elmar Stegmann bedauert deshalb die durch den Österreichischen Rundfunk angedachte Verschlüsselung der ORF-Programme: „In der Bodenseeregion wird – wie in vielen anderen Grenzregionen auch – auf vielen Ebenen eine sehr intensive Zusammenarbeit gepflegt. Eine Verschlüsselung des Fernseh- und Rund­funkprogramms auch in dieser Grenzlage widerspricht dem Gedanken einer gemeinsamen Bodenseeregion.“

Dies sieht auch der Landesdirektor des ORF Vorarlberg Markus Klement so. Landrat Elmar Stegmann hatte sich diesbezüglich mit Klement ausgetauscht und dieser hatte in dem Gespräch versichert, dass Stegmann mit seiner Besorgnis bei ihm auf offene Türen stoße. „Uns beiden geht es dabei rein um den Empfang in den grenznahen Bereichen, dies ist mir nochmals wichtig zu betonen,“ so Stegmann.

Rechte für Film-, Sport- und Serienbeiträge können wohl nur für das jeweilige Staatsgebiet erworben werden. Auf Basis dieser Grundlage müssten wohl auch die öffentlich-rechtlichen Sender aus Deutschland eine Verschlüsselung durchführen. Deshalb wird sich Landrat Stegmann auch mit dem Intendanten des Bayerischen Rundfunks Ulrich Wilhelm in Verbindung setzen.

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