Jugendgemeinderat Wangen Arbeitssitzung nach der Corona-Schließung

2.8.2020 Wangen im Allgäu. Vor Kurzem hat der Jugendgemeinderat wieder zur regulären Arbeitssitzung nach der Corona-Schließung getroffen. Dabei bot sich die Gelegenheit, über Corona und die Folgen für diese jungen Menschen zu sprechen.

Die Bilanz im Gremium: Es ist nicht alles einfach, manche Träume sind zunächst geplatzt, aber man muss die Einschränkungen akzeptieren.

Auf die Frage, was der Gruppe am meisten fehlt, kommt als erstes die Antwort: „Es sind die Feste, vor allem das Kinderfest.“ Das, was Lucas Sterz dabei am meisten am meisten vermisst, ist die Begegnung mit den Freunden. Dennoch bewegen die Jugendlichen vor allem Themen wie Schule und Ausbildung.

Ganz offenkundig stellte das „Homeschooling“, der Fernunterricht also, Lehrkräfte und Schülerschaft vor ungeahnte Herausforderungen. So berichten Valerie Schrimpf und Christof Burkart von einem Server, der am Nachmittag oft völlig überlastet war, wenn alle Schülerinnen und Schüler auf ihn zugreifen wollten.

Der Fernunterricht habe nur bedingt funktioniert, weil die Lehrkräfte auf unterschiedlichen Wegen unterwegs gewesen sein – die einen per E-Mail, die anderen in der Cloud. Dabei sei oft nicht klar gewesen, was bis wann zu erledigen gewesen sei.

Doch auch die Funktion des Lehrers erhielt eine besondere Wertschätzung: „Es ist viel schwieriger, sich den Stoff selber zu erarbeiten, als wenn ein Lehrer oder eine Lehrerin das ihn erklärt“, sagt Valerie.

Aber auch der Neustart in der Schule sei nicht einfach gewesen, wie aus dem Kreis berichtet wurde. Es sei bis zur Klassenspaltung gegangen, weil eine Gruppe den Eindruck hatte, dass der anderen bessere Lehrer zugeteilt worden seien.

Ausbildungsplätze und Ferienjobs schwer zu bekommen

Paul Augustin und Lucas Sterz berichten von den Erfahrungen beim Wechsel in den Beruf. Es sei sehr schwierig gewesen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, weil viele Betriebe ihre Ausbildungskapazität herunterfuhren und man sich wegen des Lockdowns nicht bei den Unternehmen vorstellen konnte. „Beim Handwerk war das ein bisschen anders“, weiß Paul zu berichten.

Lucas machte die Erfahrung einer Reihe von Absagen im Bereich Elektrik, zweier Online-Vorstellungen und kann sich jetzt über einen Ausbildungsplatz als Mechatroniker freuen. Schwierig gestalte sich auch die Suche nach einem Ferienjob. Die Konkurrenz um ein geringeres Angebot sei groß, berichtet Alina.

Konflikte mit den Eltern

Die Erfahrungen im Lockdown bleiben auch sonst nicht ohne Folgen. In einem Fall wurde von verschärften Konflikten mit den Eltern berichtet. Nach draußen auszuweichen sei nicht möglich gewesen, weil man keine Freunde treffen sollte. Ein Ventil gab es also kaum.

Dazu wären Hobbys geeignet. Doch auch hier war viel Geduld und fester Wille gefragt, um die Veränderungen auszuhalten. Merle Hölzel hatte Hornunterricht online.

„Zuerst haben wir es über Whatsapp probiert, das war eine Katastrophe. Über Skype ging es besser, aber da kann der Lehrer ja auch nur hören und nicht auf andere Dinge achten“, sagt sie. Ihr Ensemble probt wie auch der Chor, in dem Bianca Buhmann mitsingt, auf Abstand – mit der Folge, dass man den Nachbarn nur schwer oder gar nicht hört.

Sportler mussten viel Eigeninitiative aufbringen, um sich fit zu halten für die Zeit nach dem Lockdown. Christof Burkart war deshalb viel draußen beim Joggen und Radfahren. Seit rund vier Wochen dürfe wieder trainiert werden.

Reiseträume sind geplatzt

Von geplatzten Träumen berichten Lina Hölzel und Valerie Schrimpf. Sie hatten lange gespart. Lina wollte für ein Jahr in die USA gehen.

Valerie hatte geplant, drei Wochen in den USA eine Sprachschule zu besuchen. „Ich habe mir das über lange Zeit zusammengespart“, sagt sie. Von der Firma gab es einen Gutschein, von dem sie nur hoffen kann, dass er später noch Bestand hat.

Auch Reisen mit der Familie mussten abgesagt werden: Eine Karibikrundreise, ein Aufenthalt in der Türkei über Pfingsten, und jetzt im Sommer die Besuche von Donika Komani und Aaliyah Fejza bei den Familien im Kosovo.

Auch eine Reise mit dem Wohnmobil über den Balkan nach Griechenland wird so nicht stattfinden können. Ein Grund ist das Thema Risikogebiet, ein anderes, dass Eltern keinen Urlaub mehr haben, weil sie ihn in Zeiten des Lockdowns aufbrauchen mussten.

Zeltlager wie bisher nicht möglich

Überhaupt die Ferien: Kilian Enderwitz berichtet von der Absage des KSJ-Zeltlagers, Christof Burkart meldet dasselbe für das Zeltlager des Jugendrotkreuzes.

„Wir hätten die Abstandsregeln in den Zelten wahrscheinlich ganz gut hinbekommen, aber beim Spielen ist das einfach nicht möglich“, bilanziert Kilian. Nur tagsüber findet das Zeltlager „Wildwuchs“ statt wie Lina erzählt.

Neue Möglichkeiten

Dennoch bleiben die jungen Leute gelassen. Es seien jetzt ja auch kleinere Aktivitäten mit Freunden möglich, sagt Kilian. Und es gebe auch andere Dinge zu tun.

Aaliyah hat das Longboardfahren für sich entdeckt. Merle findet, dass man in dieser Zeit auch mal was cooles Kochen könnte. Ähnlich sieht es Bianca, die aber auch noch einen ganz anderen Aspekt nennt:

„Für Leute, die kein konstantes Umfeld haben, ist der Umgang mit den Veränderungen sicher schwierig.“ Und dennoch ist sie – wie der Jugendgemeinderat insgesamt – fest davon überzeugt, dass es derzeit nur eine Möglichkeit gibt, schnell durch die Krise zu kommen: „Man muss sich an die Regeln halten.“

Werbung: